Fokusthema 19 GaLaBau Magazin · 04/2026 „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt. Maschinen kann man ersetzen, Menschen nicht“, sagt Matthias Lösch. Begegnungsmoment auf. Vor über zwanzig Jahren kam Massimo, ein junger Mann, der in der Gar- tenpflege bei einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeitete, auf ihn zu. „Er hat uns beim Arbeiten beobachtet und gefragt, ob er mal mit- helfen darf“, erinnert sich Lösch. Aus zwei Stunden Probearbeit wurde ein dreiwöchiges Praktikum – und schließlich eine feste Anstellung, die bis heute besteht. „Massimo wollte einfach in einer richtigen Firma arbeiten“, erzählt Lösch. „Er hat gesagt: ,Ich will eine richtige Arbeit haben‘. Das hat uns beeindruckt.“ Heute ist Massimo ein fester Bestandteil des Teams. Er kümmert sich um Unkrautbeseitigung, unterstützt beim Heckenschnitt, bereitet Geräte vor. „Er macht das mit einer Intensität, die ansteckend ist“, sagt Lösch. „Und das Team weiß das zu schätzen.“ „Inklusion ist kein Projekt. Es ist eine Überzeugung.“ Vielfalt als Normalität Neben Massimo arbeitet auch Adam, ein gehörloser Kollege, im Betrieb. Die Kommunikation läuft mit Dol- metscherinnen oder Dolmetschern, Gebärden, Ges- ten. Und viel gegenseitigem Verständnis. „Das funkti- oniert erstaunlich gut“, schwärmt Lösch. „Wenn man offen aufeinander zugeht, verschwinden die Bar- rieren.“ Bei seinem ersten Betriebsmeeting stellte Adam sich mit seinem Namen in Gebärdensprache vor – und symbolisierte jedes Teammitglied mit einer kleinen, individuellen Geste. „Da war das Eis sofort gebrochen“, erinnert sich Lösch. Solche Momente, sagt er, „machen den Unterschied zwischen Arbeit nebeneinander und Arbeiten miteinander.“ Lösch selbst kennt das Gefühl, „anders“ wahrgenom- men zu werden. Seit seiner Kindheit lebt er mit einer „Redeflussstörung“, Lösch stottert. „Ich ignoriere das einfach und bitte andere, das auch zu tun“, sagt er offen. „Vielleicht macht mich das sensibler für Menschen, die nicht der Norm entsprechen. Aber eigentlich ist es ganz einfach: Wir sind alle verschie- den, und das ist gut so.“ Inklusion als Chance gegen den Fachkräftemangel Im Gespräch wird deutlich: Inklusion ist für Lösch nicht nur ein soziales Anliegen, sondern auch eine kluge Personalstrategie. „Wir reden im GaLaBau ständig über Fachkräftemangel“, sagt er. „Aber viele übersehen, dass es Menschen gibt, die motiviert sind, nur anders arbeiten. Wer offen ist, findet loyale, zuverlässige Kolleginnen und Kollegen.“ Der gehörlose Adam (r.) verständigt sich mit seinem Vor- arbeiter Gunther Leopold (l.) mit Händen und Handy. Sein Betrieb profitiert davon sichtbar: „Wir haben weniger Fluktuation, ein starkes Wir-Gefühl – und das merken auch unsere Kund*innen. Viele sagen, man spürt bei uns die Atmosphäre, ein familiäres Mitein- ander. Das ist das schönste Kompliment.“ „Wir reden über Fachkräftemangel – dabei stehen viele motivierte Menschen längst vor der Tür.“